PRESSESTIMMEN

"Eigenwillige filmische Collage... eine komische, entblößende, belehrende und tieftraurige Reise durch 'unser' Afrika." (Süddeutsche Zeitung)

"Sehen Sie unbedingt diesen Film: So wunderbar gemein und süffig-polemisch... So schnell die insgesamt 500 Ausschnitte am Auge vorbeiwirbeln, der latente, in allen politischen Systemen und Ideologien vorhandene Dünkel der weißen Rasse kommt in dankenswerter Klarheit ans Licht." (Der Spiegel)

"Ein streng komponiertes Trommelfeuer aus den Mündungen deutscher Mentalitäts-geschichte. Die Hemmungslosigkeit, mit der in den Archiven nach Spuren des bürgerlichen Exotismus gefahndet wurde, gebar aber ein trotz aller ästhetischen Zucht naseweises Kind. Es steckt selbstbewußt die Zunge heraus und weist stolz auf die fünfhundert Flecken seines Kleides... Ein erstes Glanzlicht im jungen Fernsehjahr 1999." (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

"... ein unterhaltsamer Film, der vor allem dank seiner experimentellen, collagenhaften Erzählweise ohne Zeigefinger auskommt." (Frankfurter Rundschau)

"Unrühmlich ist eine zu sanfte Beschreibung des Eindrucks, den die Deutschen in dieser grandiosen filmischen Collage machen... groteske Dokumente eines tief verwurzelten Kulturrassismus." (Die Tageszeitung)

"Ein brillantes Stück Aufklärung ... eine komische und überaus peinliche Odyssee durch ein Universum der Borniertheit." (Berliner Zeitung)

"Außergewöhnlich gelungen... sowohl verständlich als auch eminent unterhaltsam... fast immer auf der Grenze zwischen lustig und brutal." (Spex)

"Sehenswert: Die Deutschen und ihr Bild vom 'schwarzen' Kontinent. Eine grandiose filmische Collage" (Der Stern)

"Die Klischees und Stereotype liegen offen zu Tage, insofern ist der Verzicht auf jeglichen Off-Kommentar, Zwischentitel und belehrenden Habitus nur konsequent." (Freitag)

"... zynischer Beitrag, der maßgeblich zum Selbstverständnis deutscher Mentalität beitragen kann." (Magdeburger Volksstimme)

"Es ist ungewohnt, vor dem Fernseher zu sitzen und geistig so gefordert zu sein, ungewohnt und anstrengend und sehr aufregend." (Oranienburger Generalanzeiger)

"Provozierend, witzig, respektlos und manchmal bitterböse." (Scala, WDR 5)

"Bißchen billig insgesamt, aber schön schräg und schaurig, Marke: Sarotti-Mohr trifft Heinrich Lübke." (Hamburger Abendblatt)

epd 
Den merkwürdigen Titel seines Films hat Martin Baer der Anleitung zu dem Gesellschaftsspiel "Risiko" entnommen, einem Strategiespiel, dessen Ziel es ist, "Länder und Kontinente von Besatzungsarmeen zu befreien und in die Unabhängigkeit zu führen". Die andern befreien, zeigen wo's langgeht, so hätte man's gern. Wie Martin Baers Film zeigt, handelt es sich hier um eine merkwürdige Tradition.

Seinen Beweis führt der Autor mit einer fulminanten Filmmontage, in der er mit Sequenzen aus verschiedensten Genres, vom Filmausschnitt bis zum Comic, vom Zeichentrick bis zur Werbung ("Afri-Cola überwindet den toten Punkt") die Geschichte des deutsch-afrikanischen Verhältnisses erzählt. Er montiert in chronologischen Blöcken (Kolonialzeit -- Rommel -- Fremdenlegion - - Biafrakrise usw.), vor allem aber montiert er parallel. So kommen wir zu den merkwürdigsten und einleuchtendsten Einsichten. 
Szenen aus einem Spielfilm mit Heinz Rühmann stehen neben- und ineinander mit Spiel- und Dokumentarszenen über Hitlers Afrika -- General Manfred Rommel -- und siehe da, es sind dieselben austauschbaren Klischees am Werke.

Den realen Kongo-Müller, den berüchtigten Söldner ("War schon doll, Neger zu jagen" und "Ich habe unsere westliche Demokratie und unsere westliche Ideologie hier im Kongo verteidigt") zwingt er in einen fiktiven Dialog mit Hardy Krüger, der einen Fremdenlegionär spielt. Auch Peter Scholl-Latour mischt er unter diese beiden Figuren, was den nicht freuen dürfte. Doch ist, was Scholl-Latour da 1964 über die Kongolesen hören ließ, durchaus diesem Gedankenkreis zugehörig ("Sie sind unberechenbar wie wilde Tiere. Einmal streiten sie, einmal lachen sie. Aber immer sind sie gefährlich" -- "das führen diese primitiven Gestalten auf eine falsche Anwendung des Zaubers zurück").

Die hervorragende Qualität der Collage freilich besteht darin, daß sie Kontinuitäten hervortreten läßt. Bestimmte Motive in der deutschen Afrikasicht wiederholen sich in Variationen. Als häufigstes Motiv findet sich die Ansicht, Schwarze würden am liebsten nur tanzen und singen, aber keine Pflichten erfüllen. Reiht man die Aussagen, entsteht so etwas wie konkrete Poesie: "Glückliche Bettler, die nicht wissen, daß man für Geld arbeiten muß" / "Große Jungs,die gern spielen und mit ihrem Geld nicht umgehen können" / "Fröhliche Menschen, die noch gar nicht wissen, was Unabhängigkeit bedeutet." Auch in der DDR hat man die Intelligenz der Schwarzen offenbar nicht sehr hoch angesetzt. 
"Wir kommen aus dem Land von Marx und Engels" heißt es in einem Fernsehbericht über einen Besuch Honeckers in Addis Abeba, "vielleicht denken sie, die leben noch. Aber wäre das so falsch?" Wenigstens dieser Irrtum ist inzwischen ausgeräumt. Ein paar seltene Dokumente hat der Autor auch ausgegraben. Wer weiß noch, daß Anfang der sechziger Jahre bei zahlreichen Einheiten der Bundeswehr Soldaten aus Afrika ausgebildet wurden? 
Darunter waren auch Piloten aus Nigeria, das sind die "großen Jungs", die vor lauter Spaß nicht so recht begriffen, wie ernst das Bomben sein kann. Man muß es ihnen aber beigebracht haben, denn wenig später warfen sie Bomben auf die Sezessionisten von Biafra. Das war dann auch wieder nicht recht, gab aber Anlaß für ein weiteres beliebtes immer wiederkehrendes Motiv, das der herablassenden Hilfe.

Über Afrika sagen all diese Schnipsel, Ergüsse und Erkenntnisse natürlich nichts aus. Vielmehr nimmt Baer uns hier mit auf eine komische, traurige und auch politische Reise in ein selten durch Klarheit, immer durch Klischees und Selbstherrlichkeit bestimmtes Bewußtsein. Da war über die Jahre hinweg wirklich kein Niveau tief genug. Etwa auf der unteren Linie muß man Fred Bertelsmanns Legionärs-Schlagerschnulzen ansiedeln, kaum entfernt von des Bundespräsidenten Heinrich Lübkes Häuptlingszeremonien. Oder Peter Alexander, der in einem Spielfilm sich singend in einem großen Suppentopf einfand, woraufhin ihm baßtief ein freundlicher Kannibale zuknurrt: "Du prima Eintopf". Prima Eintopf könnte man auch zu diesem Film sagen: erstklassige Zutaten, polemisch gewürzt, manchmal richtig böse, manchmal einfach bloß vergnüglich und alles in allem blitzgescheit. Ein Genuß.

Fritz Wolf /
epd